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08.11.2016

StIKo Vet:

Stellungnahme zur aktuellen Situation der hämorrhagischen Kaninchenkrankheit

Das Friedrich-Loeffler-Institut wies in seiner Stellungnahme vom 13. Juni 2016 daraufhin, dass die neue Variante des RHD-Virus, RHDV-2, sich auf das gesamte Bundesgebiet ausgebreitet hat. Die Fallzahlen mit hohen Morbiditäts- und Mortalitätsraten steigen weiter kontinuierlich an. Aus diesem Anlass wird nochmals auf die Notwendigkeit einer ausreichenden Impfprophylaxe hingewiesen.

Von den bislang in Deutschland zugelassenen Impfstoffen gegen die klassischen RHDV-Stämme ist nur für die konventionellen, monovalenten Impfstoffe gezeigt, dass sie nach mehrfacher Gabe, d. h. nach zweimaliger Immunisierung im Abstand von drei Wochen, gefolgt von halbjährlichen Wiederholungsimpfungen, gegen schwere klinische Ausprägungen einer RHDV-2 Infektion schützen (vgl. auch die RHDV-2 Stellungnahme der StIKo Vet vom März 2016). So wurde für Cunivak RHD in einer der StIKo Vet vorliegenden Laborstudie ein 90 %iger Schutz vor Mortalität belegt. Aus dem Feld wird übereinstimmend berichtet, dass ältere Kaninchen, die mehrere Immunisierungen mit Cunivak RHD erhalten haben, im Vergleich zu ungeimpften Tieren relativ sicher vor einer RHDV-2 Infektion geschützt sind. Gerade bei jüngeren Tieren, die möglicherweise erst grundimmunisiert sind, wird hingegen immer wieder von Impfdurchbrüchen trotz zweimaliger Immunisierung berichtet. Dabei ist die tatsächliche Rate an Impfdurchbrüchen nicht einfach zu ermitteln, weil häufig die Impfanamnese unvollständig ist, die Tiere sich möglicherweise bereits vor Ausprägung der Schutzwirkung infiziert haben und weil nicht immer klar ist, welche prädisponierende Rolle mögliche Komorbiditäten (z. B. Parasitosen, Pasteurellen-Infektionen etc.) spielen. In diesem Zusammenhang wird noch mal darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, Jungtiere so früh wie möglich zu immunisieren, da im Gegensatz zu den klassischen RHDV-Stämmen die RHDV-2 Variante auch schwere, letale Verläufe bei Jungtieren verursacht.

Seit Kurzem ist ein auf RHDV-2 Vollantigen basierender Impfstoff europaweit zur Anwendung an Mastkaninchen zugelassen. Die als Indikation angegebene Schutzwirkung besteht in einer Reduktion der durch RHDV-2 verursachten Mortalität und tritt gemäß Herstellerangabe eine Woche nach der empfohlenen einmaligen Grundimmunisierung ein. Da der Impfstoff nur an Mastkaninchen erprobt wurde, liegen keine Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Zucht- oder Hauskaninchen sowie zur Dauer der Immunität vor. Es ist bei Mastkaninchen eine Immunisierung ab dem 30. Lebenstag vorgesehen. Für einen vergleichbaren Impfstoff derselben Firma, dessen vorläufige, spanische Marktzulassung automatisch mit Markteinführung des neuen Impfstoffes erlischt, wird eine Grundimmunisierung bestehend aus zwei Injektionen im Abstand von sechs Wochen gefolgt von halbjährlichen Wiederholungsimpfungen empfohlen. Es ist nicht bekannt, ob der neue Impfstoff eine Kreuzprotektion gegen die klassischen RHDV-Stämme vermittelt. Obwohl deutschlandweit in zunehmendem Maße RHDV-2 nachgewiesen wird, treten auch die klassischen Stämme nach wie vor auf. Bei Verwendung des neuen Impfstoffes darf die Impfung gegen diese, wie auch gegen das Myxomatose-Virus, nicht außer Acht gelassen werden. Momentan liegen keine Daten zu einer Kombination klassischer Kaninchen-Impfstoffe mit dem neuen RHDV-2-Impfstoff vor. Sobald Erfahrungen mit und Daten zu dem neuen Impfstoff vorliegen werden diese in aktualisierte Stellungnahmen und die Impfempfehlungen der StIKo Vet miteinfließen.

Download:
StIKo Vet-Stellungnahme v. 8.11.2016



 
 
 
 
 
 

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