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02.01.2017

Lösung in Sicht:

Arzneimittelbehandlung von Fohlen ohne Equidenpass

Fohlen

Beim bpt-Kongress 2016 war es das Aufregerthema im Pferdeprogramm: Die (Notfall-) Behandlung von unter 12 Monate alten Fohlen ohne Equidenpass. Offenbar gibt es hier eine (bislang wenig beachtete) Regelungslücke, die in der Praxis bei „gesetzestreuem“ Verhalten dazu führt, dass Behandlungen nicht durchgeführt werden können, da die Fohlen i.d.R. noch nicht mit einem Transponder gekennzeichnet sind, der Equidenpass nicht vorliegt und somit eine eindeutige Identifizierung als Schlachttier bzw. Nicht-Schlachttier nicht möglich ist und den behandelnden Tierarzt dadurch in eine rechtlich problematische Lage bringt. Konkret geht es um die Behandlung von akuten Infektionskrankheiten (z. B. Rhodhococcus equi) oder Krankheiten, deren Therapie eine Allgemeinanästhesie erfordert (z. B. Harnblasenruptur). Hier ist oftmals die Anwendung von Medikamenten der Positivliste notwendig, die im Equidenpass dokumentiert werden müssen. 

Um Klarheit und Rechtssicherheit für die behandelnden Tierärzte zu schaffen, haben bpt und die Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) das Gespräch mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gesucht. Unter Beteiligung des BMEL-Tiergesundheits- und –arzneimittelreferates, der Länderseite (NRW) und Vertretern von bpt und GPM ist es am 14. Dezember vergangenen Jahres gelungen, einen Lösungsweg zu finden, der wie folgt aussieht:

  • Pferdepraxis/-kliniken sollen mit Genehmigung der zuständigen Behörden die Möglichkeit erhalten, für die Kennzeichnung von Notfallpatienten die notwendige Anzahl von Transpondern vorzuhalten. Die Kennzeichnung der Fohlen würde in diesem Fall in den Pferdekliniken/Pferdepraxen erfolgen. Damit wäre gewährleistet, dass noch nicht gekennzeichnete Fohlen mit Arzneimitteln, die einen vorübergehenden oder endgültigen Ausschluss des Tieres aus der Lebensmittelkette erfordern, trotzdem therapiert werden können.

  • In der HIT-Datenbank soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass die behandelnden Tierärzte die entsprechende Behandlung mit Zuordnung zur Nummer des Transponders eintragen können (vorbehaltlich der Zustimmung der Länder am 18./19. Januar 2017).

  • Der Tierhalter wird für diesen Fall aufgefordert, umgehend einen Equidenpass zu beantragen. Die passausgebende Stelle trägt die bereits dann im entsprechenden HIT-Datensatz vorhandenen Informationen zur Arzneimittelbehandlung im Rahmen der Ausgabe des Equidenpasses in diesen ein.

  • Das BMEL wird die Pferdezuchtverbände alternativ darauf hinweisen, dass es gemäß den Vorgaben der Viehverkehrsverordnung auch möglich ist, dass Tierhalter Transponder zur Kennzeichnung ihrer Tiere vorbestellen, sodass bereits zur Geburt einzelner Tiere die Transponder im Bestand zur Verfügung stehen und gegebenenfalls eine sofortige Kennzeichnung vorgenommen werden kann.

  • Außerdem will das BMEL die Europäische Kommission auf die Regelungs-problematik hinweisen und zur Nachbesserung der Durchführungsverordnung (EU) 2015/262 auffordern.



 
 
 
 
 
 

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