Kopfgrafik
 
 

27.04.2018

Noch keine Pflicht, aber schon Realität:

Ökonomie in der Tiermedizin

Am 11. April hat die erste Veranstaltung des Wahlpflichtfachs „Ökonomie in der Tiermedizin“ an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) in Hannover stattgefunden. Das vom bpt inhaltlich erarbeitete Konzept wird in Zusammenarbeit von bpt und TiHo in diesem Sommersemester 2018 in insgesamt 28 Lehreinheiten (14 Wochen) umgesetzt. Das Angebot richtet sich an Studierende aus dem 6. und 8. Semester. Fast 60 Studierende haben das Wahlpflichtfach gewählt und sich damit gegen eine Reihe anderer, eher klinisch orientierter, Angebote entschieden. Laut TiHo eine sehr gute Beteiligungsquote!  

Ziel des Wahlpflichtfachs ist es, das Verständnis der Studierenden für ökonomische Zusammenhänge zu verstärken. Denn egal, ob Praxis, Industrie oder Veterinäramt – überall braucht es heute ein ökonomisches Grundverständnis, um den eigenen Arbeitsbereich zu gestalten und sein Gegenüber zu verstehen. Das Konzept ist deshalb nicht eine reine BWL-Vorlesung, sondern soll anhand von Praxisbeispielen und –fällen, sozusagen von der Praxis für die Praxis, den Studierenden Informationen, Tipps, Beispiele und Eindrücke vermitteln, womit ein Tierarzt heute im Alltag konfrontiert ist und wie er damit professionell umgehen kann.  

Kurzfristiges Ziel des bpt ist es, dass das Wahlpflichtfach nicht nur an einer, sondern an möglichst allen fünf Fakultäten in Deutschland angeboten wird. Mittel- bis langfristiges Ziel ist, aus dem Wahlpflichtfach ein Pflichtfach im Curriculum zu machen. Dafür wird die Veranstaltung in Hannover evaluiert. Am 11. April hat aus diesem Grund ein Eingangstest stattgefunden, der ausgewertet und mit den Ergebnissen des Abschlusstests am 11. Juli verglichen wird. Auf dieser Grundlage kann dann festgestellt werden, ob und welche Fortschritte die Studierenden gemacht haben. Die Ergebnisse der Evaluierung werden übrigens anlässlich des Studierendentages beim bpt-Kongress 2018 in Hannover erstmalig vorgestellt.  

Veterinärmedizinischer Fakultätentag 2018

Das vom bpt initiierte Wahlpflichtfach „Ökonomie in der Tiermedizin“ war auch wesentlicher Diskussionspunkt beim Veterinärmedizinischen Fakultätentag (VMFT) am 12. April d. J. in Berlin. Auf Einladung des Vorsitzenden des VMFT, Prof. Dr. Jürgen Zentek, hat bpt-Geschäftsführer Heiko Färber die anwesenden Vertreter der fünf Fakultäten aus Deutschland sowie aus Österreich und der Schweiz, die Vertreter der Studierenden und der tierärztlichen Verbände über die Grundkonzeption des Wahlpflichtfachs und die weitere Vorgehensweise informiert. Nachdrücklich warb Färber auch gegenüber dem Verordnungsgeber, dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dafür, dass das Fach bei der nächsten Überarbeitung des Curriculums (TAppV-Novelle) als Pflichtfach aufgenommen wird. Interessant zu beobachten: War die Skepsis gegenüber diesem Ansinnen vor zwei Jahren doch noch recht groß, hat sich nun einiges gewandelt. Nicht nur die Fakultäten selbst zeigen sich immer offener für diesen bpt-Vorstoß, vor allem die Studierenden und die noch jüngeren Professoren zeigen sich aufgeschlossen dafür, dass wirtschaftliche Zusammenhänge unabdingbar für die angehenden Tiermediziner sind.  

Aber nicht nur das Fehlen der Ökonomie, auch weitere Verbesserungsvorschläge sind Grund dafür, dass von Seiten der Fakultäten aktiv darüber nachgedacht wird, ob und wie eine neuerliche Novelle der TAppV aussehen könnte. Konkret wollen sich die Fakultäten hierzu im Laufe des Jahres zusammensetzen, um über einen Vorschlag für eine Novelle zu beraten. Dieser soll dann im nächsten Schritt auch mit den tierärztlichen Berufsverbänden besprochen werden.  

Ein anderes wichtiges Thema, neben der bereits schon seit vielen Jahren diskutierten Problematik der Nachbesetzung klinischer Fächer mit Veterinärmedizinern, ist die Sicherstellung der Qualität der extramuralen Ausbildung, also des Teils der Ausbildung im Veterinärmedizinstudium, der nicht an der Universität, sondern in der Praxis geleistet wird. In diesem Punkt kommt es offenbar immer häufiger zu Diskussionen bei der europäischen Zertifizierung der Hochschulen. Einzige Hilfestellung hierfür bietet in Deutschland bislang die vom bpt initiierte „Initiative Ausbildungspraxis“.
bpt-Geschäftsführer Färber zeigte sich offen für Vorschläge seitens der Fakultäten zum Ausbau bzw. zur Anpassung der „Initiative Ausbildungspraxis“, machte aber auch deutlich, dass es sich hierbei um eine freiwillige bpt-Initiative von rund 500 Praxen handele und man hier nicht mit Druck, sondern nur mit Motivation weiterkomme. Er schlug konkret vor, eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Fakultäten und bpt einzurichten, um dieses Thema weiter zu diskutieren. Diskutiert wurden schließlich auch mögliche Auswirkungen des Bundesverfassungsgerichtsurteils zur Studienplatzvergabe in der Humanmedizin. Ob und welche Auswirkungen dies gegebenenfalls für die Auswahlverfahren der Tiermedizinischen Fakultäten hat, ist zurzeit noch unklar. Einigkeit bestand aber darin, dass die Auswahlverfahren möglichst angeglichen werden sollen. Hierfür will man sich kurzfristig zwischen den Fakultäten abstimmen.



 
 
 
 
 
 

© Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.