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10.11.2017

FVE-Stellungnahme zur WHO-Leitlinie über den Antibiotikaeinsatz bei lebensmittel-liefernden Tieren

In dieser Woche hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Leitlinie über die Verwendung von medizinisch wichtigen antimikrobiellen Mitteln bei lebensmittelliefernden Tieren veröffentlicht (Empfehlungen und Best-Practice-Statements der Leitlinie sind am Ende dieses Beitrags zusammengefasst). Zu dieser Leitlinie hat der europäische Tierärzteverband FVE gestern Stellung genommen:  

"Ein rationaler und verantwortungsvoller Einsatz antimikrobieller Mittel sind seit vielen Jahren wichtige strategische Ziele für den europäischen Tierärzteverband", sagt FVE-Präsident Dr. Rafael Laguens. "Die Position der FVE zum verantwortungsvollen Umgang mit antimikrobiellen Mitteln bei Tieren und die WHO-Leitlinie weisen eine sehr ähnliche Richtung auf, wenngleich die Reduzierung des Einsatzes von antimikrobiellen Mitteln nicht das vorrangige Ziel der FVE ist.

Das Ziel der FVE ist der Schutz von Tieren und Menschen vor der Entstehung und Ausbreitung resistenter Mikroorganismen, während gleichzeitig ausreichend wirksame antimikrobielle Mittel zur Behandlung erkrankter Tiere zur Verfügung stehen ", fügt Präsident Laguens hinzu.  

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass, während die WHO-Leitlinie aus einer globalen Perspektive geschrieben wurde, in Europa bereits viele Maßnahmen existieren. In vielen europäischen Ländern, und sicherlich in allen EU-Mitgliedstaaten, wurde die Empfehlung der WHO, Antibiotika für die Wachstumsförderung zu verbieten, bereits seit mehr als einem Jahrzehnt umgesetzt. Gemäß ihrem AMR-Aktionsplan strebt die EU eine Best-Practice-Region an.  

Die WHO-Empfehlung für eine generelle Reduktion der Verwendung aller Klassen von medizinisch wichtigen antimikrobiellen Mitteln bei Nutztieren wird bereits umgesetzt. Einige Länder haben signifikante Reduktionen erreicht und als Ergebnis hat sich nun eine Abnahme der Resistenz gegen bestimmte antimikrobielle Mittel bemerkbar gemacht. 

In Bezug auf die WHO-Empfehlung, den Einsatz von Antibiotika zur Vorbeugung von Krankheiten einzuschränken, betont die FVE, dass Antibiotika nur bei Tieren angewendet werden dürfen, wenn sie von einem Tierarzt verschrieben werden, in dessen Behandlung sich die Tiere befinden. 

Die FVE ist besorgt über weitere Einschränkungen der antimikrobiellen Wirkstoffe, die zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt werden können, begrüßt es jedoch, dass die WHO die Verpflichtung des Tierarztes anerkennt, sich um die Gesundheit und das Wohlergehen solcher Tiere zu kümmern und die Verwendung von wichtigen Antibiotika bei erkrankten Tieren ermöglicht. Das Medikament ist die einzige Behandlungsoption.  

Hinsichtlich der beiden "Best-Practice-Statements" zu den Beschränkungen bei der Verwendung neuer Klassen von antimikrobiellen Mitteln und antimikrobiellen Mitteln, die derzeit nicht bei Nutztieren eingesetzt werden, ist die FVE besorgt über die Verfügbarkeit neuer Antibiotika für die Behandlung von Tieren. Auch für Tiere werden solche Produkte dringend benötigt.   


Kurze Zusammenfassung der WHO-Leitlinie


1. Die WHO empfiehlt eine generelle Reduzierung der Verwendung aller Klassen medizinisch wichtiger antimikrobieller Mittel bei zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren.  

2. Die WHO empfiehlt eine vollständige Beschränkung der Verwendung aller Klassen von medizinisch wichtigen antimikrobiellen Mitteln bei lebensmittelliefernden Tieren zur Wachstumsförderung.  

3. Die WHO empfiehlt eine vollständige Einschränkung der Verwendung aller Klassen medizinisch wichtiger antimikrobieller Mittel bei zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren zur Prävention von Infektionskrankheiten, die noch nicht klinisch diagnostiziert wurden.  

4.a Die WHO schlägt vor, dass Antibiotika, die als für die Humanmedizin von entscheidender Bedeutung eingestuft werden, nicht zur Kontrolle der Verbreitung einer klinisch diagnostizierten Infektionskrankheit verwendet werden sollten, die innerhalb einer Gruppe von lebensmittelliefernden Tieren identifiziert wurde. Anmerkung: Um die Gesundheit und das Wohlergehen von Tieren zu schützen, kann eine Ausnahme gemacht werden, wenn nach dem Urteil von Tierärzten die Ergebnisse der Bakterienkultur und der Empfindlichkeit zeigen, dass das ausgewählte Arzneimittel die einzige Behandlungsoption ist.  

4.b WHO schlägt vor, dass antimikrobielle Wirkstoffe, die als für die Humanmedizin kritisch hoch prioritär eingestuft werden, nicht zur Behandlung von lebensmittelliefernden Tieren mit klinisch diagnostizierter Infektionskrankheit eingesetzt werden dürfen. Anmerkung: Um die Gesundheit und das Wohlergehen von Tieren zu schützen, kann eine Ausnahme gemacht werden, wenn nach dem Urteil von Tierärzten die Ergebnisse der Bakterienkultur und die Empfindlichkeit zeigen, dass das ausgewählte Arzneimittel die einzige Behandlungsoption ist. 

WHO-Best-Practice-Erklärung: Jede neue Klasse von antimikrobiellen Wirkstoffen oder neuen antimikrobiellen Wirkstoffen, die für die Anwendung am Menschen entwickelt wurden, wird als von entscheidender Bedeutung für die Humanmedizin angesehen, sofern die WHO dies nicht anders kategorisiert hat. 

WHO-Best-Practice-Statement: Medizinisch wichtige antimikrobielle Mittel, die derzeit nicht in der Lebensmittelproduktion eingesetzt werden, sollten in Zukunft nicht mehr bei Nutztieren oder -pflanzen eingesetzt werden.


 
 
 
 
 
 
 
 
 

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