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11.12.2017

Gemeinnützige Tätigkeit im Bereich der Veterinärmedizin:

Checkliste für Tierärzte, Studierende der Tiermedizin und Wohltätigkeits-organisationen


Übersetzung des aktuellen Positionspapiers des Welttierärzteverbandes FVE


Charity- (oder NGO-)Tätigkeiten im Bereich der Veterinärmedizin sind sehr beliebt. Sie reichen von der Betreuung von Schutzhunden über die Kastration und Impfung von Streunertieren bis hin zur Unterstützung bei öffentlichen Gesundheitsprogrammen und vielem mehr.

Zu den beteiligten Wohltätigkeitsorganisationen zählen Einzelpersonen bis hin zu großen professionellen, gemeinnützigen oder gewinnbringenden Unternehmen.

Wohltätigkeitsorganisationen können wertvolle tierärztliche Dienstleistungen erbringen und die lokale veterinärmedizinische Infrastruktur unterstützen. Sie können auch zur Sensibilisierung und zum Verständnis der Öffentlichkeit beitragen und das lokale Bewusstsein für Tiergesundheit und Tierschutz sowie für ein Gesundheitsthema stärken.

Leider ist festzustellen, dass es aber auch einige Organisationen gibt, die ungeregelt operieren, indem sie weder das Tierwohl noch die lokale Gesetzgebung beachten oder die örtlichen Veterinärbehörden involvieren. Das ist für die freiwilligen Helfer und die beteiligten Tiere potentiell gefährlich. Es ist auch respektlos gegenüber lokalen Kollegen, bringt andere professionelle Wohltätigkeitsorganisationen in Misskredit und kann zur Verschwendung von öffentlichen Mitteln führen.  

Wohltätigkeitsorganisationen sollten nicht vorsätzlich die Arbeit von Tierärzten vor Ort übernehmen, sondern in Zusammenarbeit mit den lokalen Tierärzten nachhaltige Lösungen finden. 

Die FVE hat deshalb die wichtigsten rechtlichen, ethischen und beruflichen Überlegungen zusammengestellt, die Tierärzte, Tiermedizinstudenten und Wohltätigkeitsorganisationen berücksichtigen sollten, bevor sie mit ihrer Freiwilligenarbeit beginnen. Damit soll die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Dienstleistungen, der Schutz der Freiwilligen und der beteiligten Tiere gewährleistet werden. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass diese Reisen einen Wissensaustausch sowohl für die Freiwilligen wie auch für die Interessengruppen ermöglichen und die Tiergesundheit und das Tierwohl verbessern. 


Checkliste


Fragen, die Sie sich als Tierärztin/Tierarzt oder Studierende/r der Tiermedizin stellen sollten, wenn Sie in einem anderen Land Dienstleistungen erbringen möchten:

  • Ist die Wohltätigkeitsorganisation, für die ich tätig sein möchte, rechtmäßig etabliert und verfügt sie über alle erforderlichen Papiere? 
    Überprüfen Sie die Wohltätigkeitsorganisation auf ihre Legitimität, Seriosität und Zuverlässigkeit.  
  • Kann ich im Zielland rechtmäßig tierärztlich tätig sein?
    In der EU werden normalerweise tierärztliche Abschlüsse aus anderen EU-Ländern automatisch anerkannt, aber in den meisten Ländern müssen Sie die Behörden im Voraus über Ihre Ankunft informieren und sicherstellen, dass Ihre Qualifikation anerkannt wird. In den meisten Ländern müssen Sie eine schriftliche Erklärung (mit Nachweis der Staatsangehörigkeit, Bescheinigung über die Zulassung in Ihrem Herkunftsland und Berufshaftpflichtversicherung) im Voraus vorlegen.  
  • Welche Berufsregeln gelten für mich?
    Als Tierarzt unterliegen Sie den Berufsregeln beruflicher, gesetzlicher oder verwaltungstechnischer Art sowie den Disziplinarmaßnahmen, die im Aufnahmemitgliedstaat gelten. Weitere Informationen finden Sie hier.  
  • Werde ich in der Lage sein, Veterinärmedizin nach guten tierärztlichen Standards zu praktizieren?
    Prüfen Sie vor der Reise, ob Sie Ihre tierärztlichen Aufgaben in einem angemessenen Umfeld und gemäß guten Standards innerhalb des Gastlandes erfüllen können. Wenn Sie z. B. an der Kastration von Hunden beteiligt sind: Stehen ein sauberer Raum, sterile Materialien und Instrumente, geeignete Tierarzneimitteln (z. B. für Anästhesie und Analgesie) zur Verfügung? Überprüfen Sie auch kulturelle und rechtliche Aspekte, z. B. in Hinblick auf die Euthanasie, die in einigen Ländern nicht erlaubt ist.  
  • Wie ist meine Jobbeschreibung?
    Informieren Sie sich im Voraus, was von Ihnen erwartet wird und an wen Sie sich, insbesondere bei Problemen, wenden können. Wenn Sie Tiermedizinstudent sind, stellen Sie sicher, dass Sie eine angemessene Aufsicht erhalten und man Sie nicht auffordert, tierärztliche Aufgaben zu erfüllen, die nach den lokalen Rechtsvorschriften nicht zulässig sind, da dies zu strafrechtlichen Konsequenzen führen könnte. Stellen Sie sicher, dass Sie die gesetzlichen Anforderungen in dem Land kennen, in dem Sie arbeiten.   
  • Kann ich kollegial mit Kollegen oder anderen Wohltätigkeitsorganisationen im Zielland zusammenarbeiten?
    Eine professionelle und erfolgreiche Wohltätigkeitsorganisation wird involviert sein und Unterstützung von der lokalen Veterinärbehörde und der Gemeinde erhalten. Es ist auch wichtig, dass eine Kampagne nachhaltig und langfristig wirkt. Fragen Sie die von Ihnen ausgewählte Wohltätigkeitsorganisation danach.  
  • Arbeite ich in einer riskanten Umgebung?
    Reisen und Arbeiten im Ausland können Sie einer Reihe von Gesundheitsrisiken, wie endemischen Krankheiten, oder arbeitsbedingten Gefahren aussetzen (z. B. ein Biss eines tollwütigen Hundes). Prüfen Sie diese Risiken sorgfältig im Voraus: Überprüfen Sie die Reisehinweise Ihres Ministeriums für das betreffende Land/die Region, bereiten Sie sich auf die Risiken vor und stellen Sie sicher, dass Sie wissen, an wen Sie sich im Voraus wenden sollten. Es ist immer gut, sich von jemandem beraten zu lassen, der das Land, in dem Sie arbeiten wollen, kennt. Finden Sie heraus, ob Sie rechtzeitig vor Ihrer Reise Impfungen benötigen. Stellen Sie sicher, dass Notfallkontaktdaten und jegliche gesundheitlichen Probleme vor Reiseantritt der Wohltätigkeitsorganisation mitgeteilt werden.  
  • Habe ich eine Reiseversicherung und bin ich über eine Berufshaftpflichtversicherung abgesichert, wenn etwas schief geht?
    Unerwartete Gesundheitskosten im Ausland können sehr teuer sein. Eine Berufshaftpflichtversicherung ist auch Voraussetzung für den Fall, dass etwas schief geht. Wenn Sie als Tierarzt zu Hause über eine Berufshaftpflichtversicherung verfügen, erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherer, ob diese Versicherung auch für die Erbringung Ihrer Dienstleistungen im Ausland gilt.  
  •  Welche Medikamente sind im Zielland erlaubt? Wie werden sie rechtsicher aufbewahrt?
    Die allgemeine Regel in der EU ist, dass jeder Mitgliedstaat nur Tierarzneimittel zulässt, die von diesem Land zugelassen wurden. Unter bestimmten Bedingungen können grenzüberschreitend tätige Tierärzte Arzneimittel anwenden, die in ihrem Heimatland zugelassen sind. Das erfordert aber die Zustimmung der zuständigen örtlichen Behörde. Weitere Informationen finden Sie hier. Wenn Ihr Zielland außerhalb der EU liegt, erkundigen Sie sich im Voraus, welche Medikamente verfügbar sind und ob Sie zur Verwendung berechtigt sind.   
  • Kann die von mir angebotene Dienstleistung eine nachhaltige Wirkung auf die lokale Bevölkerung und die Gesundheit und das Wohlergehen der betroffenen Tiere haben?
    Sie geben Ihre Freizeit auf und möchten dies natürlich für ein Projekt tun, das der lokalen Bevölkerung hilft. Seien Sie daher bei der Auswahl Ihrer Projekte vorsichtig, um sicherzustellen, dass Sie keine Anreize für Tiermisshandlungen im Land schaffen oder negative Auswirkungen auf die lokale Veterinärwirtschaft haben. Sie sollten sich einem Projekt anschließen, das einen echten Einfluss hat.     

Grundlegende Anforderungen an Wohltätigkeits-organisationen in anderen Ländern


  • Ihre Wohltätigkeitsorganisation ist rechtskonform etabliert, finanziell solide und behält den Überblick über Geld und Ressourcen. Es ist wichtig, der Öffentlichkeit nachweisen zu können, dass die Mittel dorthin fließen, wo sie hingehen sollen.  
  • Alle Projekte sollten gut geplant, die Risiken bewertet und gemanagt sowie eine Evaluierungsstrategie erstellt werden. Stellen Sie sicher, dass alle Freiwilligen Ihnen Notfallkontaktdaten zur Verfügung gestellt haben und dass Sie während der Zeit, in der Sie dafür verantwortlich sind, eine abgesprochene Kontaktmöglichkeit haben.
  • Die lokalen Tierärzte, einschließlich der Behörde, sind beteiligt und unterstützen Ihr Projekt.  
  • Arbeiten Sie vorzugsweise mit Einheimischen zusammen. Durch den Einsatz von Menschen vor Ort können Fähigkeiten und Kenntnisse gefördert werden, was der Gemeinschaft, in der Sie arbeiten, zugutekommt.  
  • Wenn Sie mit Freiwilligen aus dem Ausland arbeiten, achten Sie darauf, dass Sie alle lokalen Arbeitsregeln befolgen und dass Ihre Freiwilligen mit vollem Schutz und rechtmäßig arbeiten können.  
  • Stellen Sie sicher, dass alle veterinärmedizinischen Tätigkeiten nach guter tierärztlicher Praxis durchgeführt werden.  
  • Schützen Sie alle Ihre Freiwilligen vor Risiken, die im Ausland bestehen, wie Infektionskrankheiten, Arbeitsunfälle usw.  
  • Stellen Sie sicher, dass alle Freiwilligen, die tierärztliche Aufgaben wahrnehmen, eine Reiseversicherung und Berufshaftpflichtversicherung haben, die für das Land, in dem sie arbeiten, geeignet ist.  
  • Stellen Sie sicher, dass alle Ihre Freiwilligen eine klare Beschreibung der von ihnen erwarteten Aufgaben haben und sie wissen, an wen Sie berichten müssen und an wen Sie sich im Falle von Schwierigkeiten wenden können.  
  • Wenn Sie mit lokalen Organisationen zusammenarbeiten, stellen Sie sicher, dass alle Organisationen absolut zuverlässig sind und Ihre Freiwilligen nicht gefährden.     
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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