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23.01.2018

bpt-Neujahrsempfang 2018

Was bedeutet der Brexit für die deutschen Tierärzte?

Neujahrsempfang 2018 - Dobbenburgh

Beim bpt-Neujahrsempfang am 17. Januar sprach Rens van Dobbenburgh in seiner Rolle als Vizepräsident der Federation of Veterinarians of Europe (FVE), des Dachverbands der europäischen Tierärzte, und zugleich als langjähriger Vertrauter des bpt.

Er betonte in seiner auf deutsch gehaltenen Rede den Zusammenhalt der europäischen Tierärzte im Angesicht des Brexits. Dabei warnte er vor der Erwartung eines „business as usual“, weil sich die Teilnehmer „innerhalb des veterinärmedizinischen ‚Ökosystems‘ sehr gut kennen, einander vertrauen und seit Jahrzehnten erfolgreich zusammenarbeiten.“ Ob nach den Verhandlungen auf höchster Ebene genügend Spielraum bleibe, um den alten Weg fortzusetzen, sei völlig offen: „Fast nichts ist sicher, wir hoffen jedoch das Beste.“  

Im Hintergrund steht, dass der Brexit auch auf die tiermedizinische Branche lange Schatten wirft. Die Zahlen, die van Dobbenburgh nennt, legen umwälzende Veränderungen nahe, falls die bisherige Freizügigkeit endet. Es stammen über 50 Prozent der Tierärzte, die sich jährlich auf der Insel niederlassen – immerhin 1.000 Kolleginnen und Kollegen – aus kontinentalen EU-Ländern, in der Fleischhygiene sogar rund 95 Prozent, in akademischen Kreisen immerhin über 20 Prozent.  

Ärgerlich für die britischen Kollegen: Der tierärztliche Berufsstand war mehrheitlich gegen den Brexit, „trotzdem müssen auch sie mit ihm leben.“ Auch den Umzug der European Medicines Agency (EMA) von London nach Amsterdam betrachtet der Niederländer mit Sorge, zum einen aufgrund von Wissensverlusten durch das Ausscheiden britischer Mitarbeiter, zum anderen wegen der bisherigen Rolle als Referenzmitgliedstaat für viele Arzneimittel: Es gelte zu vermeiden, dass die künftige Trennung der regulativen Systeme die Arzneimittelversorgung unterbreche.  

Auch für den Erhalt der gegenseitigen Anerkennung der tierärztlichen Qualifikation und Zulassungen wolle sich die FVE starkmachen. Van Dobbenburgh bleibt optimistisch: Tierärzte seien „vom Wesen her Pragmatiker.“ Ein Lichtblick sei außerdem der gefestigte Verbund innerhalb der FVE.

 
 
 
 
 
 
 
 

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