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EU-Politik und FVE

 

FVE-Publikationen

Die europäische Tierärztevereinigung FVE (Federation of Veterinarians of Europe) gibt Nachrichten und Newsletter heraus, die auf der FVE-Homepage zum Download bereitstehen.


 

Frühjahrstagung der europäischen Tierärzte: Von aktueller Rechtssetzung bis „Vet Future“

Das neu gewählte FVE-Board zusammen mit der deutschen Delegation von bpt und
BTK. In der Mitte: Dr. Rafael Laguens, wiedergewählter FVE-Präsident
Das neu gewählte FVE-Board zusammen mit der deutschen Delegation von bpt und
BTK. In der Mitte: Dr. Rafael Laguens, wiedergewählter FVE-Präsident

Vom 7. bis 10. Juni 2017 haben der Europäische Praktikerverband Union of European Veterinary Practitioners (UEVP) und die Federation of Veterinarians of Europe (FVE), Dachverband der europäischen Tierärzte, in Estlands Hauptstadt Tallinn zur turnusmäßigen Frühjahrstagung geladen. Die FVE vertritt die Interessen von rund 235.000 Tierärztinnen und Tierärzten aus 38 Mitgliedsländern gegenüber europäischer Politik und Öffentlichkeit. In der üblichen intensiven Arbeitsatmosphäre behandelten die Delegierten eine umfangreiche Agenda. Den bpt vertraten Präsident Dr. Siegfried Moder, Vizepräsidentin Dr. Petra Sindern, Präsidiumsmitglied PD Dr. Andreas Palzer, Geschäftsführer Heiko Färber und Europareferentin Gabriele Moog.

Kleine Personalrochade

In UEVP wie FVE standen Wahlen für die Führungsgremien an. UEVP-Präsident bleibt für weitere zwei Jahre Thierry Chambon (Frankreich), Schatzmeister wurde der bisherige Beisitzer Marjan Tacer (Slowenien), die bisherige Beisitzerin Torill Moseng (Norwegen) wurde Schriftführerin. Piotre Kwiecinski (Polen), bislang Schatzmeister, und Kenelm Lewis (Vereinigtes Königreich), der bisherige Schriftführer, wurden neben Bob Carrière (Niederlande) als Beisitzer gewählt. Im Vorstand (Board) der FVE wurde die bestehende Mannschaft komplett für zwei weitere Jahre im jeweiligen Amt bestätigt: Der Spanier Rafael Laguens bleibt Präsident. Als Vizepräsidenten stehen ihm Dr. Andrew Robinson (Vereinigtes Königreich), Dr. Arne Skjoldager (Dänemark), Dr. Rens van Dobbenburg (Niederlande) und Dr. Zsolt Pintér (Ungarn) zur Seite.

UEVP bleibt Praktikerverband

Die UEVP-Delegierten beschäftigte am Donnerstag ein Antrag des Accreditation Committee for Veterinary Nurse Education (ACOVENE) auf Mitgliedschaft. Für die Aufnahme der freiwilligen Akkreditierungsgesellschaft für Fortbildungen für Tiermedizinische Fachangestellte hatte sich insbesondere der europäische Kleintierverband Federation of European Companion Animal Veterinary Associations (FECAVA) eingesetzt. Mit Blick auf die beträchtliche Involvierung einer nichttierärztlichen Berufsgruppe wurde der Antrag indes mit großer Mehrheit abgelehnt. Auch der bpt hatte Vorbehalte angemeldet, zum einen weil er um seine Tariffähigkeit fürchtete, zum anderen aus der berufspolitischen Sorge, die UEVP könne sich vom reinen Tierärzteverband wegentwickeln. Einer gemeinsamen Arbeitsgruppe, wie sie später ins Gespräch gebracht wurde, stünde hingegen grundsätzlich nichts entgegen.  

Weitere Gegenstände der Tagesordnung waren Tierschutz (illegaler Hundehandel), Aus- und Weiterbildung, Wirtschaftsdaten und Neuigkeiten zu den europaweit agierenden Tierarztketten, die demographische Situation europäischer Tierärzte (eine französische Studie wurde ausführlich vorgestellt), neue Informationen zum bedenklichen Voranschreiten der Hauterkrankung „Lumpy Skin Disease“ (Knötchenkrankheit der Rinder), zur Afrikanischen Schweinepest sowie zur Hirscherkrankung „Cronic Wasting Disease“, die derzeit Norwegen heimsucht. Ein Gastreferat von Prof. Jaroslaw Dastych aus Polen zum Thema Bakteriophagen beleuchtete beachtenswerte Alternativen zum Antibiotikaeinsatz.

Arzneimittelrecht bleibt Topthema

Bei der Delegiertenversammlung der FVE an den beiden Folgetagen wurde unter anderem der aktuelle Stand zum Umgang mit Antibiotikaresistenzen im Rahmen des EU-Tierarzneimittelrechts präsentiert. Inhaltlich geht es darum, die Wirkung von Antibiotika für Mensch und Tier trotz resistenter Keime zu erhalten. Europas Tierärzte setzen sich dafür ein, das Ziel von reiner Mengenreduzierung zu effektiver Resistenzvermeidung zu verschieben. Kernforderungen der FVE betreffen die Verschreibung durch den Tierarzt, bessere Verfügbarkeit, ein angemessenes Regulierungsniveau, das Verbot des Internethandels mit verschreibungspflichtigen Substanzen oder den Erhalt des Dispensierrechts. Im bei der FVE federführenden Arzneimittelausschuss ist mit PD Dr. Palzer nach Dr. Hans-Joachim Götz erneut ein Vertreter des bpt mit der Materie befasst.  

Unterschiedliche Positionen der Delegierten offenbarte die Diskussion über ein Positionspapier zur Verfügbarkeit von Arzneimitteln für Pferde, der größten „Minor Species“. Insbesondere die Einordnung von Phenylbutazon war kontrovers. Bei der Abstimmung fand die Position des bpt eine große Mehrheit, dergemäß die Substanz auf die Equidenliste gehört, also weiter verfügbar sein muss.  

Zur tierärztlichen Sachkunde bei der Zucht von Insekten als Nahrungsmittel für Mensch und Tier haben die Delegierten ebenfalls ein Positionspapier verabschiedet und zudem eine „Task Force“ eingesetzt. Ein weiteres Positionspapier widmet sich der Einordnung von Impfungen als tierärztliche Tätigkeit („veterinary act“).

Vielfältige Tagesordnung

Weitere Themen der Tagung waren Aus- und Weiterbildungsfragen, ein Ausblick auf die bevorstehende EU-Ratspräsidentschaft von Gastgeber Estland, erkennbare Auswirkungen des „Brexit“ auf die Tiermedizin, die für Sommer 2017 von den Mitgliedstaaten geforderten EU-Aktionspläne zum Thema „Eine Gesundheit“ (One Health), Tierschutzfragen, darunter das Thema Tiertransporte, eine europaweite Übersicht zur Bestandsbetreuung oder die Rolle der Tierärzte bei der Erkennung häuslicher Gewalt, die sich nicht selten im Missbrauch von Tieren entdecken lässt.

Zum Projekt „Vet Future“, das der Zukunftsperspektiven des tierärztlichen Berufsstands nachgeht, hat die Arbeitsgruppe unter Leitung des früheren FVE-Präsidenten Christophe Buhot eine Zwischenbilanz zur geplanten „Strategie 2030“ präsentiert. Sechs Kernthemen stehen im Vordergrund: Führungsperspektiven, strukturierte Karrierewege, erweiterte Perspektiven des Berufs, profitables Wirtschaften, Wohlbefinden im Beruf und Innovationsanreize. Das Projekt geht maßgeblich auf eine Initiative des bpt zurück. Die Ergebnisse der bpt-eigenen Arbeitsgruppe „Praktiker 4.0“ werden zudem in die FVE-Arbeit einfließen.  

Die Herbstdelegiertenversammlungen von UEVP und FVE finden Mitte November 2017 in Brüssel statt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

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