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EU-Politik und FVE

 

Herbsttagungen von UEVP und FVE 2018 in Rom

Vom 8. bis 10. November 2018 fanden die Herbstdelegiertenversammlungen des Europäischen Praktikerverbands Union of European Veterinary Practitioners (UEVP) und des Dachverbands Federation of Veterinarians of Europe (FVE) statt – ausnahmsweise nicht in Brüssel, sondern auf Ersuchen der italienischen Tierärztekammervereinigung Federazione Nazionale Ordini Vetrinari Italiani (FNOVI) in Rom. Die FNOVI veranstaltete parallel ihre Jahrestagung und wollte durch die Einbindung der europäischen Kollegen ihre Wertschätzung für die internationale Vernetzung unterstreichen. Den bpt vertraten Präsident Dr. Siegfried Moder, die 1. Vizepräsidentin Dr. Petra Sindern und Europareferentin Gabriele Moog.

Praktiker-Tagung

Am ersten Sitzungstag kommen stets die Sektionen zusammen, beim bpt also die UEVP. Sie hat die European Association of Zoo and Wildlife Veterinarians (EAZWV) als neues Mitglied aufgenommen sowie die serbische Tierärzteorganisation zum Vollmitglied erhoben. Ein neues Logo nebst eines modernisierten Internetauftritts (voraussichtlich von März  2019 an verfügbar) sollen die interne wie die externe Kommunikation der Organisation stärken.
Neben dem EU-Tierarzneimittelrecht standen die Themen Tierschutz (z. B. Tierhalter-Schulungen, Verbesserungen für Nutztiere, illegaler Tierhandel, Ferkelkastration/ Schwänzekürzen), Finanzfragen, Aus- und Weiterbildung, das dramatische Voranschreiten der Afrikanischen Schweinepest sowie die aktuelle Entwicklung der Tierarzt-Ketten (namentlich in Skandinavien, Großbritannien und den Niederlanden) auf der Tagesordnung. Gastreferate widmeten sich der Situation der italienischen Tierärzte (besonders interessant: die neue elektronische Verschreibung, die als Vorlage für künftige europaweite Pflichten dienen könnte) sowie einem französischen Pilotprojekt zum Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen in der Geflügel- und Schweineproduktion. Eine Studie soll hier die Bedeutung der praktizierenden Tierärzte klären. bpt-Präsident Moder ging in einem abschließenden Statement auf die mittels heimlich angefertigter Aufnahmen über die Medien lancierte Schlachthof-Kritik ein und sparte dabei die Rolle der Praktiker nicht aus. Er benannte Probleme wie schlechte Bezahlung, Unterbesetzung und überbordende Aufgabenzuweisungen. Trotz der landwirtschaftlichen Verantwortung für schlechte Zustände sieht Moder den Tierarzt in das System eingebunden, das sich ändern müsse in Richtung zu mehr ernsthaft eingeforderter Bestandsbetreuung.

EU-Tierarzneimittelverordnung

Top-Thema bei der FVE-Delegiertenversammlung an den beiden Folgetagen war erneut die Tierarzneimittelverordnung, deren Veröffentlichung im EU-Amtsblatt nach über achtjähriger Diskussion unmittelbar bevorsteht (voraussichtlich noch 2018). Als Verordnung schafft das umfangreiche Gesetz nach einer Übergangsphase von zwei Jahren mit seinem Wirksamwerden voraussichtlich im Jahr 2021 unmittelbar geltendes Recht in allen Mitgliedstaaten. Die jetzt verabschiedete Endfassung berücksichtigt erfreulich viele Forderungen, die bpt und FVE seit Jahren vorgebracht haben: Das Dispensierrecht bleibt erhalten, der Internethandel bleibt verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln verschlossen, Verschreibungen darf ausschließlich ein Tierarzt (keine „qualified person“) vornehmen (mit einer Bestandsschutz-Ausnahme für das Vereinigte Königreich), die Umwidmungskaskade bleibt erhalten, eine Beschränkung kritischer Wirkstoffe bedarf wissenschaftlicher Grundlagen. Freilich kosten diese Erfolge einen Preis: Die Dokumentationspflichten werden gesteigert, insbesondere bei der Anwendung (Ausbau ESVAC/European Surveillance of Veterinary Antimicrobial Consumption, die inzwischen bereits Zahlen aus 30 Nationen erfasst). Bezüglich wichtiger Details wird es wegen ausstehender Sekundärgesetzgebung noch brenzlig: Gerade zur Umsetzung der Dokumentationspflichten hat sich die EU-Kommission durch Öffnungsklauseln für delegierte Rechtsakte Spielräume erhalten. Darin geht es etwa um die zentrale Frage, welche Wirkstoff e künftig als „kritische Antibiotika“ eingestuft werden. Die Diskussion hierzu variiert, auch weil die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Weltorganisation für Tiergesundheit OIE und die EU (konkret: die Antimicrobial Advice Ad Hoc Expert Group AMEG) unterschiedliche Maßstäbe anlegen. Von delegierten Rechtsakten sind außerdem die Themen orale Medikation und die weiter freiwillige Pharmakovigilanz betroffen. Eine weitere Bühne der Umsetzung der Verordnung bieten ferner die implementierenden Rechtsakte. Hierfür geschaffene Öffnungsklauseln schaffen dem nationalen Gesetzgeber Spielraum. Hier geht es etwa um Internethandel, den Vertrieb von Arzneimitteln und ebenfalls um die Beschränkung von Antibiotika. Vor diesem Hintergrund erging die dringliche Bitte, jetzt intensive Lobbyarbeit über die nationalen Tierärzteorganisationen zu betreiben. Genau das hat der bpt vor.



 
 
 
 
 
 

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