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EU-Politik und FVE

 

Herbstdelegiertenversammlungen von UEVP und FVE: Umfassendes Programm für Europas Tierärzte

Herbstdelegiertenversammlung

Vom 9. bis 11. November 2017 fanden in Brüssel die Herbstdelegiertenversammlungen des Europäischen Praktikerverbands Union of European Veterinary Practitioners (UEVP) und des Dachverbands Federation of Veterinarians of Europe (FVE) statt. Den bpt vertraten Präsident Dr. Siegfried Moder, die 1. Vizepräsidentin Dr. Petra Sindern, PD Dr. Andreas Palzer aus dem bpt-Präsidium, Geschäftsführer Heiko Färber und Europareferentin Gabriele Moog.

UEVP mit neuem Beobachter

Der erste Sitzungstag gehört traditionell den Sektionen, beim bpt also der UEVP. Sie hat die Pancyprian Veterinary Association als Beobachter aufgenommen. Zu den klassischen UEVP-Themen zählt der Tierschutz. Die UEVP-Arbeitsgruppe hatte am Vortag u. a. zu Ferkelkastration, Kleintierzucht, Kaninchenhaltung, Tiertransporten und Sachkunde der Tierbesitzer getagt. Weitere Gegenstände der UEVP-Agenda waren generelle Erwartungen an die Verbandsarbeit, Aus- und Weiterbildungsfragen, das Voranschreiten diverser Tierseuchen in Europa (Afrikanische Schweinepest, „Lumpy skin disease“/Knötchenkrankheit der Rinder, die Prionen-Hirscherkrankung „Cronic Wasting Disease“/Chronische Auszehrungskrankheit) sowie ein Gastreferat zu Kurznasen-Qualzuchten bei Hunden. Bei der FVE standen zunächst finanzielle Weichenstellungen im Fokus. Irland fordert eine Ausnahme, da die Veranlagung auch nach Höhe des Bruttoinlandprodukts laut der irischen Verbände zu Verzerrungen führe. Eine endgültige Überarbeitung der FVE-Beitragsstruktur steht indes noch aus.

EU-Arzneimittelrecht auf der Zielgeraden

Zum Thema Arzneimittel skizzierte FVE-Vizepräsident Dr. Rens van Dobbenburgh (Niederlande) den Sachstand der seit 2010 laufenden Novelle des EU-Tierarzneimittelrechts. Die Gespräche im Rat scheinen sich trotz monatlicher Sitzungen hinzuziehen. Immerhin werde das Thema seit der estnischen Ratspräsidentschaft auf Führungsebene bearbeitet. Erfreulich: Im aktuellen Entwurf ist nur noch der Tierarzt zu tiermedizinischen Verschreibungen berechtigt, nicht auch „qualifizierte Personen“. Ein Erfolg der Einsprüche von FVE und nationalen Verbänden wie dem bpt! Auch die Abschaffung des Dispensierrechts scheint vom Tisch. Anfang 2018 könnte der Trilog zwischen Kommission, Rat und Parlament starten. Sofern der Zeitplan hält, bestünde die Chance zum Abschluss unter österreichischem Ratsvorsitz im zweiten Halbjahr 2018. Die Vorstellung der neuen Zahlen der ESVAC (European Surveillance of Veterinary Antimicrobial Consumption) mit Schwerpunkt auf der Antibiotikaanwendung (nicht mehr bloß Verkauf) erhärtet den Befund einer fehlenden Korrelation zur Existenz des Dispensierrechts: In Staaten mit wie ohne Dispensierrecht können die Verbräuche niedrig oder hoch sein.

Blick in die Zukunft

Das FVE-Projekt „Vet Future“ unter Leitung des früheren FVE-Präsidenten Dr. Christophe Buhot (Frankreich) fußt maßgeblich auf Initiative des bpt-Präsidenten. Die Arbeitsgruppe hat nun eine Broschüre präsentiert. Auf dem Weg zur „Strategie 2030“ wurden fünf vorrangige Themen identifiziert, darunter das Umfeld in Markt und Gesellschaft sowie die Ausbildungsbedingungen. Das Projekt entspricht der bpt- Initiative „Praktiker 4.0“, deren Ergebnisse mit einfließen sollen.

Effektivste Kampagne

Von sieben nationalen Impulsbeiträgen wurde derjenige von bpt-Vizepräsidentin Dr. Petra Sindern über die Kampagne der deutschen Tierärzteverbände gegen Qualzuchten als effektivste Kampagne ausgezeichnet. Sindern war für die BTK aufgetreten und empfahl anderen Mitgliedstaaten das Projekt als Modell. Die Delegierten verabschiedeten überdies zwei Positionspapiere, eins zur Rolle der Tierärzte bei der Erkennung häuslicher Gewalt, die nicht selten im Missbrauch von Tieren aufscheint, das andere zu tierärztlichem Engagement bei Hilfsprojekten im Ausland. Ein drittes Papier zur Tötung unerwünschter Nutztiere („Kükenschreddern“ etc.) wurde wegen Änderungsbedarfs bis Ende 2017 zurückgestellt. Die Arbeitsgruppe „Statutory Bodies“ mit bpt-Präsident Moder legte ihre mitgliedstaatenübergreifende Übersicht zu Regulierungen im Tierarztberuf vor. Die Datensammlung soll Argumente in der Deregulierungsdebatte liefern. Darüber hinaus beschäftigten die Delegierten aktuelle Bemühungen der WHO zur Eindämmung der Antibiotikaresistenzen (dazu ausführlich auf der bpt-Website: www.tieraerzteverband.de), Aus- und Weiterbildungsfragen, Forschungsprojekte und Tierschutzthemen (u. a. Transporte). Gastreferate kamen aus den Niederlanden (Fipronil) und vom europäischen Pharmadachverband Animal Health Group (Arbeitsschwerpunkte). Zur Zucht von Insekten als Nahrungsmittel hat sich eine neue Arbeitsgruppe formiert.   Die Frühjahrsdelegiertenversammlungen von UEVP und FVE finden im Juni 2018 in Norwegen statt.      


National Report von bpt und BTK zur Delegiertenversammlung über die aktuellenSchwerpunkte in Deutschland



 
 
 
 
 
 

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